
Braucht Mike Yanguas einen echten Vollstrecker an seiner Seite?
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Mike Yanguas und Coki Nieto haben sich entschieden, wieder zusammenzufinden. Die beiden Spanier sind gemeinsam für das Madrid P1 gemeldet, wo sie als Nummer vier des Tableaus antreten dürften. Rechnerisch eine logische, sportlich eine beruhigende Entscheidung. Aber ist das wirklich die Art von Partnerschaft, die Yanguas braucht, um den nächsten Schritt zu machen?
Die Frage geht über den Fall Coki Nieto hinaus. In seinen jüngsten Partnerschaften mit Spielern, die aufbauen, verteidigen und Ballwechsel verlängern können, wirkte Yanguas mitunter frustriert, wenn sein Partner die Punkte nicht über das Luftspiel beenden konnte. Sowohl mit Franco Stupaczuk als auch mit Nieto entstand in manchen Sequenzen der Eindruck, er erwarte von seinem Linksspieler mehr Abschlussstärke.
Wäre also ein anderes Profil besser geeignet? Etwa ein echter Schläger wie Aimar Goñi – oder ein alter Bekannter wie Javi Garrido.
Die Rückkehr zu Nieto: eine logische Wahl
Die Neuauflage von Yanguas/Nieto ist keine Überraschung. Die beiden spielten die komplette Saison 2025 zusammen und beendeten sie als Nummer vier der Welt. Ihre Konstanz bescherte ihnen zahlreiche Halbfinals und einen festen Platz hinter den besten Teams der Tour.
Ihre Bilanz offenbarte allerdings eine deutliche Grenze: Trotz 41 Siegen in 62 Begegnungen auf der Premier-Padel-Tour gewannen sie keinen einzigen Titel – und erreichten nicht ein einziges Finale.
Yanguas hatte einen Teil des Problems selbst benannt. In einem Interview während des Málaga P1 räumte der Andalusier ein, ihnen habe „dieses Quentchen Verrücktheit“ und „ein bisschen mehr Aggressivität“ gefehlt.
Die Rückkehr zu Nieto sichert ihnen eine günstige Position in der Hierarchie und den sofortigen Zugriff auf eingespielte Automatismen. Bleibt ihr Spiel aber identisch zu 2025, könnten dieselben Grenzen wieder auftauchen.
Eine Frustration, die schon mit Stupaczuk sichtbar war
Das Projekt mit Franco Stupaczuk sollte genau diese Explosivität bringen. Der Argentinier verfügt über mehr Beschleunigung als Nieto, exzellente Laufwege und viele offensive Optionen.
Ein Vollstrecker im Stil von Arturo Coello, Leo Augsburger oder Alejandro Galán ist Stupaczuk allerdings nicht. Er kann über das Luftspiel viel Schaden anrichten, forciert seinen Remate aber auch aus schwierigen Positionen. Kommt der Ball dann zurück, steht die Paarung schnell unsortiert da.
Besonders deutlich wurde das im Viertelfinale des Málaga P1 gegen Paquito Navarro und Martín Di Nenno. Navarro las und konterte Stupaczuks Schläge mehrfach erfolgreich. Yanguas wiederum ließ eine zunehmend sichtbare Gereiztheit erkennen: Der Austausch zwischen den Partnern wurde selten, die Kommunikation auf der Bank praktisch nicht existent.
Die Trennung allein mit diesen gekonterten Remates zu erklären, wäre übertrieben. Die Paarung hatte auch mit einem Ergebnisknick, körperlichen Problemen und dem Auftaktaus in London zu kämpfen. Doch diese Sequenzen legten eine mögliche Divergenz offen: Yanguas erwartet von seinem Partner offenbar bisweilen, einen Punkt zu beenden, den dieser noch aufbauen will.
Yanguas ist kein gewöhnlicher Rechtsspieler
Dabei bringt Mike Yanguas selbst erhebliche Wucht mit. Bei 1,89 Metern Körpergröße kann er viel Platz einnehmen, aus der Volley beschleunigen und über seine Diagonale abschließen. Sein Profil ist offensiver als das eines Rechtsspielers, der ausschließlich organisiert und verteidigt.
Doch von der rechten Seite aus bieten sich ihm nicht dieselben Abschlussmöglichkeiten wie einem Linksspieler. Wenn sein Partner die Gegner nicht durch die Drohung seines Smashes zurückdrängt, muss Yanguas gleichzeitig Aufbau, Diagonalabdeckung und einen Teil der Vollstreckung übernehmen.
Ein großer Schläger an seiner Seite würde die gesamte Geometrie der Paarung verändern. Die Gegner müssten tiefer verteidigen und ihre Lobs sorgfältiger auswählen. Selbst ohne sofortigen Abschluss kann ein Spieler, der aus der Distanz zuschlägt, einen kurzen Ball provozieren oder die gegnerische Verteidigung durcheinanderbringen. Yanguas hätte dann mehr Raum für seine Abfänge, sein Tempo am Netz und seine Handqualität – ohne ständig selbst die entscheidende Beschleunigung suchen zu müssen.
Aimar Goñi – auf dem Papier die fast ideale Ergänzung?
Aimar Goñi verkörpert genau dieses Profil. Der 20-jährige Navarrese misst 1,90 Meter und spielt auf der linken Seite. Sein Remate zählt bereits zu den eindrucksvollsten Waffen der Tour. Er selbst beschreibt diese Kraft als natürliche Gabe, die er seit seiner Kindheit besitzt.
An der Seite von Edu Alonso erreichte Goñi 2026 das Halbfinale des Asunción P2 sowie die Viertelfinals in Málaga und London. Aktuell steht er auf Platz 36 der FIP-Rangliste – der beste Wert seiner jungen Karriere.
Taktisch hätte eine Partnerschaft mit Yanguas Sinn: Der Andalusier könnte von rechts für Stabilität sorgen, verteidigen und aufbauen, während Goñi einen Großteil der hohen Bälle und der Vollstreckung übernimmt.
Diese Wahl brächte allerdings mehrere Risiken mit sich. Goñi fehlt es auf höchstem Niveau noch an Erfahrung, und er steckt in einem sich entwickelnden Projekt mit Edu Alonso. Ein Wechsel würde Yanguas zudem zwingen, seinen Setzplatz vier aufzugeben und deutlich früher auf die besten Paare zu treffen. Spielerisch wäre Goñi also eine hervorragende Ergänzung – kurzfristig aber nicht zwingend die vorteilhafteste Option.
Garrido: ein Präzedenzfall, der einen Blick wert ist
Die andere Option führt zu einem Spieler, den Yanguas bestens kennt: Javi Garrido. Die beiden Spanier prägten den Start der Saison 2024, als sie das Finale des Qatar Major erreichten. Unterwegs schalteten sie im Achtelfinale Juan Lebrón und Alejandro Galán aus, im Halbfinale Franco Stupaczuk und Martín Di Nenno. Garrido spielte dabei dank seiner Aggressivität und seiner Abschlussstärke im Luftspiel eine große Rolle.
Ihr Lauf endete brutal gegen Coello und Tapia, die das Finale mit 6:0, 6:2 gewannen. Danach gelang es der Paarung nicht mehr, diese Ausnahmewoche dauerhaft zu wiederholen.
Eine Rückkehr zu Garrido brächte Yanguas einen kraftvollen Partner, der sein Spiel bereits kennt und die Verantwortung für den Remate übernehmen kann. Der Spieler aus Córdoba bleibt jedoch unbeständig – fähig zu Phasen großer Dominanz, aber auch zu deutlich fragileren Abschnitten. Diese Paarung hätte wohl ein höheres Offensivpotenzial als Yanguas/Nieto, aber weniger Garantien bei der Konstanz.
Vielleicht liegt das Problem nicht nur am Partner
Die Suche nach einem großen Schläger würde nicht alles lösen. Auch die besten Rematadores sehen ihre Schläge zurückkommen, gerade bei langsamen Bedingungen. Coello, Galán oder Augsburger müssen den Punkt nach einem verteidigten Smash ebenfalls neu aufbauen.
Wenn Yanguas sich schon dann ärgert, wenn sein Partner einen hohen Ball nicht beendet, reicht ein Profilwechsel nicht aus. Der Andalusier müsste auch seine Reaktionen besser kontrollieren und im nächsten Ballwechsel engagiert bleiben. Zuletzt räumte er das auf Kritik an seinem Verhalten selbst ein: „Die Einstellung muss nicht verhandelbar sein.“
Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob Coki Nieto gut genug ist, um mit Yanguas zu spielen. Seine Ergebnisse, seine Konstanz und sein Ranglistenplatz lassen daran keinen Zweifel. Es geht vielmehr darum, ob ihre jeweiligen Qualitäten die nötigen Waffen ergeben, um die zwei oder drei besten Paare der Welt regelmäßig zu schlagen.
Madrid als erster Gradmesser
In Madrid starten Yanguas und Nieto nicht bei null. Sie kennen ihre Organisation, ihre Gewohnheiten und ihre Stärken. Ihre Aufgabe wird sein, eine aggressivere Version abzuliefern als 2025.
Nieto muss seine Schläge vielleicht stärker auswählen und aus ungünstigen Positionen eher aufbauen. Yanguas wiederum muss einen großen Teil der Beschleunigung übernehmen und zugleich verhindern, dass sich Frustration einnistet, wenn der Ballwechsel länger dauert.
Die Entscheidung für Nieto ist die für Stabilität und Ranking. Goñi hätte für Potenzial und Wucht gestanden, Garrido für eine erprobte, aber unberechenbarere Ergänzung.
Vielleicht braucht Yanguas tatsächlich einen großen Vollstrecker, um sein Spiel vollständig zu befreien. Bevor er anderswo sucht, muss er aber zeigen, dass er eine Partnerschaft weiterentwickeln kann, die ihm bereits Konstanz gebracht hat – aber noch kein Finale. Die erste Antwort kommt vielleicht nicht über das Ergebnis in Madrid, sondern über die Reaktion nach dem ersten gekonterten Remate: gemeinsam neu aufbauen – oder die Frustration erneut die Oberhand gewinnen lassen.
Quelle: Le Padel Magazine (padelmagazine.fr): Originalartikel




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