Padel-Aufschlag: Was die neue FIP-Regel wirklich verändert
- Julius Lowman

- 10. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Ein Regelupdate mit großer Tragweite
Der Aufschlag im Padel war schon immer ein sensibles Thema, das regelmäßig für Diskussionen sorgt. Mit den jüngsten Anpassungen der FIP dürfte diese Debatte nun noch an Intensität gewinnen. Neben der Einführung des „Golden Point“ hat der Internationale Padelverband insbesondere beim Aufschlag nachgeschärft. Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte gedachte Linien, die künftig eine deutlich größere Rolle spielen. Was zunächst nach einer kleinen Präzisierung klingt, hat in der Praxis weitreichende Konsequenzen für Spieler, Schiedsrichter und den gesamten Spielablauf.
Was die FIP-Regeln konkret vorschreiben
Artikel 6, Absatz 2 der offiziellen FIP-Regularien definiert den Aufschlag nun unmissverständlich. Der Ball muss nach dem Aufsprung hinter dem entsprechenden Aufschlagfeld geschlagen werden und darf vor dem Treffpunkt weder die Aufschlaglinie noch die Mittellinie überschreiten. Entscheidend ist dabei, dass diese Vorgabe ausdrücklich auch für die gedachten Verlängerungen der Linien gilt. Damit rückt erstmals nicht nur der Ort des Aufsprungs, sondern die gesamte Flugbahn des Balls vor dem Schlag in den Fokus der Regelbewertung.
Warum bisher übliche Aufschläge nun als Fehler gelten
Diese neue Auslegung verändert zahlreiche bislang tolerierte Gewohnheiten. Viele Spieler servierten in der Vergangenheit leicht nach vorne versetzt und trafen den Ball teilweise jenseits der Linie, ohne dafür sanktioniert zu werden. Nach den neuen Vorgaben genügt bereits das Überqueren einer gedachten Linie vor dem Schlag, um den Aufschlag als Fehler zu werten – selbst dann, wenn der Ball anschließend korrekt im Feld landet. Der Aufschwung allein reicht nicht mehr aus, vielmehr wird der gesamte Bewegungsablauf streng kontrolliert.
Eine Regel, die Schiedsrichter an ihre Grenzen bringt
So klar die Regel formuliert ist, so komplex gestaltet sich ihre Anwendung im Spiel. Aus der Position des Schiedsrichters ist es extrem schwierig, bei hoher Geschwindigkeit exakt zu erkennen, ob der Ball eine gedachte Linie überschritten hat oder nicht. Der notwendige Blickwinkel ist in vielen Situationen kaum realisierbar, was zwangsläufig zu strittigen Entscheidungen führen kann. Genau hier liegt ein potenzieller Konfliktpunkt, der auf Profi- wie Amateurlevel für Diskussionen sorgen dürfte.
Auch die Fußstellung rückt stärker in den Fokus
Nicht nur der Ball, sondern auch die Position der Füße wird durch die neuen Bestimmungen klar geregelt. Während der Aufschlagbewegung darf der Spieler weder die Aufschlaglinie noch die Mittellinie oder deren Verlängerungen berühren oder überschreiten. Der Aufschläger muss vollständig hinter der Linie bleiben, wobei mindestens ein Fuß bis zum Treffpunkt des Balls Bodenkontakt haben muss. Auch hier können kleinste Abweichungen bereits als Regelverstoß gewertet werden.
Der Rückschläger und die Frage der Bereitschaft
Ebenfalls präzisiert wurde das Verhalten des Rückschlägers. Ist dieser nicht bereit, darf er den Ball keinesfalls aktiv spielen. Jede erkennbare Bewegung, ein Drehen oder eine bewusste Geste führt dazu, dass der Punkt als regulär gespielt gilt. Nur wenn der Rückschläger vollständig passiv bleibt, kann der Aufschlag wiederholt werden. Diese Regel verlangt ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und klarer Kommunikation auf dem Platz.
Klare Absicht, schwierige Umsetzung
Mit der neuen Aufschlagregel verfolgt die FIP das Ziel, den Service stärker zu standardisieren, Vorteile durch das Spiel an oder über den Linien zu vermeiden und die Aufschlagbewegung transparenter zu gestalten. In der Praxis hängt die Umsetzung jedoch stark von der visuellen Interpretation ab – ein Faktor, der im schnellen Spielgeschehen schnell problematisch werden kann. Ob diese Anpassung langfristig für mehr Fairness sorgt oder vor allem neue Streitpunkte schafft, wird sich erst im Wettkampfalltag zeigen. Sicher ist jedoch: Der Aufschlag im Padel ist technisch anspruchsvoller und strenger reglementiert als je zuvor.






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